
Dokumentation bei häuslicher Gewalt (2026): Vorlagen + KI-Leitfaden für Fachkräfte
Vollständiger Leitfaden zur Dokumentation von Fällen häuslicher Gewalt für 2026. Aufnahmeformulare, Krisenintervention, Gefährdungsbeurteilung, Sicherheitsplan, Schutzanordnung und wie Sie mit KI-Tools Dokumente automatisieren, ohne die Privatsphäre der Betroffenen zu gefährden.
Dokumentation bei häuslicher Gewalt (2026): Vorlagen + KI-Leitfaden für Fachkräfte
Die Arbeit einer Fachkraft in der Unterstützung bei häuslicher Gewalt geht weit über das eigentliche Beratungsgespräch hinaus.
An einem einzigen Tag können Krisentelefonate um 3 Uhr nachts, Begleitungen zu Anhörungen, Frauenhausaufnahmen, Anträge auf Schutzanordnungen und Koordination zwischen Jugendamt, Polizei und Staatsanwaltschaft anfallen. Jeder Schritt erfordert präzise Dokumentation.
Jede Minute mit Papierkram ist eine Minute weg von Opfern, die Hilfe brauchen — AiDocx automatisiert Ihre Dokumentation, damit Sie sich auf die Sicherheit konzentrieren können.
Dieser Leitfaden enthält gebrauchsfertige Vorlagen für jede Phase der Falldokumentation sowie praktische Hinweise zur Nutzung von KI ohne Kompromisse beim Datenschutz der Betroffenen.
Warum Dokumentation bei Häuslicher Gewalt Sich Unterscheidet
Funktion als Beweismittel
Beratungsunterlagen bei häuslicher Gewalt können in Straf- oder Zivilverfahren als Beweismittel herangezogen werden. Das Ergebnis einer Gefährdungsbeurteilung kann richterliche Entscheidungen über Schutzanordnungen beeinflussen. Genaue, zeitgestempelte Aufzeichnungen schützen sowohl Betroffene als auch Fachkräfte.
Gefährdungsbeurteilung ist Klinisch UND Rechtlich
Eine Gefährdungsbeurteilung ist nicht nur ein Fragebogen — sie ist ein Dokument, das die Reaktion auf ein Risikoniveau bestimmt. Aufbewahrungsort, Zugriffsrecht und Aufbewahrungsdauer müssen von gewöhnlichen Beratungsunterlagen klar unterschieden werden.
Institutionelle Vernetzung
Betroffene häuslicher Gewalt stehen gleichzeitig mit Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendamt, Gesundheitswesen und Ausländerbehörde in Kontakt. Strukturierte Akten ermöglichen reibungslose Koordination.
Rechtliche Grundlage (Deutschland)
Das Gewaltschutzgesetz (GewSchG) bildet die zentrale Rechtsgrundlage für Schutzanordnungen. Ergänzend gilt das BGB (z. B. § 1361b zur Wohnungszuweisung). Zuständig für die Schutzanordnung ist das Familiengericht. Das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) fördert Frauenhäuser und Beratungsstellen bundesweit.
Notfallkontakte:
- Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen": 08000 116 016 (kostenlos, 24/7, mehrsprachig)
- Frauenhaus-Koordinierung: Über Hilfetelefon oder LKA des jeweiligen Bundeslandes
- Polizei: 110 | Notruf: 112
Dokumentationsvorlagen für Häusliche Gewalt
Vorlage 1: Erstaufnahme-Formular
ERSTAUFNAHME — HÄUSLICHE GEWALT
Datum/Uhrzeit: ___________ Mitarbeiter-ID: ___________
Modalität: □ Persönlich □ Telefon □ Weiterleitung
Dolmetscher: □ Nein □ Ja — Sprache: ___________
DATEN DER BETROFFENEN PERSON (VERTRAULICH)
Rufname (nicht notwendigerweise echter Name): ___________ Alter ca.: ___________
Sicherer Kontaktweg: ___________ Sichere Kontaktzeit: ___________
Kinder im Haushalt: □ Nein □ Ja — Alter: ___________
Aufenthaltsstatus (falls mitgeteilt): ___________
Aktuelle Unterkunft: □ Sicher □ Nicht sicher
DATEN DES TÄTERS (Nicht an den Täter weitergeben)
Beziehung zur Betroffenen: ___________
Adresse des Täters (falls bekannt): ___________
Zugang zu Waffen: □ Nein □ Ja □ Unbekannt
FORMEN DER GEWALT (Zutreffendes markieren)
□ Körperlich □ Sexuell □ Psychisch/Emotional
□ Wirtschaftlich □ Digital/Handyüberwachung □ Stalking
□ Kinder als Kontrollmittel eingesetzt
GEWALTGESCHICHTE
Letzter Vorfall (ungefähres Datum): ___________
Häufigkeit: □ Einmalig □ Gelegentlich □ Fortlaufend □ Eskalierend
Frühere Anzeigen: □ Nein □ Ja — Ergebnis: ___________
Bestehende Schutzanordnung: □ Nein □ Ja — Gericht/Az.: ___________
SOFORTIGE BEDARFE
□ Notunterkunft □ Medizinische Versorgung □ Rechtsberatung
□ Kinderbetreuung □ Transport □ Finanzielle Unterstützung □ Sonstiges: ___________
ANMERKUNGEN DER FACHKRAFT
_______________________________________________
Unterschrift: ___________ Datum: ___________
Überprüfung Vorgesetzte (falls erforderlich): ___________
Vorlage 2: Krisenintervention und Gefährdungsbeurteilung
KRISENINTERVENTION
Datum/Uhrzeit: ___________ Aktenzeichen: ___________
Kontaktart: □ Persönlich □ Hotline □ Weiterleitung □ Polizeiliche Begleitung
KRISENSITUATION
_______________________________________________
GEFÄHRDUNGSBEURTEILUNG (12 Items)
0=Nein 1=Ja (*=Hochgewichtetes Merkmal)
1. Gewalt hat in Häufigkeit oder Schwere im letzten Jahr zugenommen ___
2. Täter hat der Betroffenen mit dem Tod gedroht ___ *
3. Täter hat Zugang zu Schusswaffen oder anderen Waffen ___ *
4. Betroffene hat versucht, die Beziehung zu verlassen ___
5. Täter ist arbeitslos oder wirtschaftlich instabil ___
6. Täter hat versucht zu würgen oder zu ersticken ___ *
7. Täter kontrolliert Bewegungen, Kontakte oder Handy ___
8. Täter hat zum Geschlechtsverkehr gezwungen ___
9. Täter konsumiert Alkohol oder Drogen problematisch ___
10. Täter hat mit Suizid gedroht oder versucht es ___
11. Täter hat Kinder oder Dritte bedroht ___ *
12. Täter überwacht per GPS oder Social Media ___
GESAMTPUNKTZAHL: ___
RISIKONIVEAU: □ Variabel (1-7) □ Erhöht (8-13) □ Hoch (14-17) □ Extrem (18+)
SOFORTMASSNAHMEN
□ 110/112 verständigt □ Frauenhausplatz vermittelt □ Antrag auf Schutzanordnung gestellt
□ Medizinische Begleitung □ Jugendamt informiert □ Hochrisikoprotokoll aktiviert
ENTSCHEIDUNGEN DER BETROFFENEN
Geäußerter Wunsch: _______________________________________________
Optionen erläutert: □ Ja Einwilligung zur Anzeige: □ Ja □ Nein □ Offen
Mitarbeiterin: ___________ Vorgesetzte informiert: □ Ja □ N/A Uhrzeit: ___________
Vorlage 3: Sicherheitsplan
INDIVIDUELLER SICHERHEITSPLAN
Datum: ___________ Aktenzeichen: ___________ Überprüfungsdatum: ___________
FLUCHTPLAN
Sicherer Ort, wenn ich schnell gehen muss: _________________________________
Mitzunehmende Gegenstände: □ Personalausweis/Pass □ Kinderdokumente
□ Medikamente □ Handy/Ladekabel □ Bargeld □ Schlüssel □ Kleidung
Codewort mit Vertrauensperson: ___________ Bedeutung: Ich brauche sofort Hilfe
Transportmittel: _________________________________
DIGITALE SICHERHEIT
□ Passwörter für E-Mail, Banking, Social Media geändert
□ Standortfreigaben auf Handy und in Apps überprüft
□ Geräte auf Spähsoftware geprüft
□ Neue E-Mail-Adresse erstellt, die Täter nicht kennt
□ Anrufe erfolgen über Dienstnummer (nicht persönliche Nummer)
Sicheres Gerät für die Nutzung: _________________________________
RECHTLICHE MASSNAHMEN
□ Schutzanordnung erhalten — Ablauf: ___________
□ Schutzanordnung beantragt — Anhörungstermin: ___________
□ Strafanzeige erstattet — Az.: ___________
□ Verletzungen dokumentiert (Fotos gespeichert unter: ___________)
SICHERHEIT DER KINDER
Schule über Abholbeschränkungen informiert: □ Ja □ Nein □ N/A
Codewort mit Schule: ___________ Ansprechpartner Schule: ___________
NOTFALLKONTAKTE
1. _________________________________
2. _________________________________
Hilfetelefon: 08000 116 016 Polizei: 110 Notruf: 112
Unterschrift der Betroffenen (freiwillig): ___________ Datum: ___________
Vorlage 4: Dokumentation der Schutzanordnung
SCHUTZANORDNUNGS-DOKUMENTATION
Datum: ___________ Aktenzeichen: ___________ Mitarbeiterin: ___________
ART DER MASSNAHME
□ Schutzanordnung nach GewSchG § 1 (Familiengericht)
□ Wohnungszuweisung (§ 2 GewSchG)
□ Einstweilige Verfügung
□ Polizeiliche Wegweisung (Landesrecht, bis zu 14 Tage)
ANGABEN ZUR ENTSCHEIDUNG
Ausstellendes Gericht/Behörde: _________________________________
Aktenzeichen: ___________ Datum: ___________ Gültig bis: ___________
Schutzbedürftige Person(en): _________________________________
Verbote: □ Annäherung (Abstand: _________) □ Kontakt □ Betreten der Wohnung □ Waffen
VERSTÖSSE
Datum: ___________ Sachverhalt: ___________________________
Polizeiliche/gerichtliche Reaktion: ___________ Neue Maßnahme beantragt: □ Ja □ Nein
ANMERKUNGEN / WEITERLEITUNGEN
_______________________________________________
Fallmanagement-Dokumentation
Aufnahme ins Frauenhaus
Zu dokumentieren: Datum und Uhrzeit der Aufnahme, zugewiesenes Zimmer, Inventarliste, Hausordnungsunterschrift, Medikamente, medizinischer Bedarf, Schulanmeldung für Kinder, laufende Gerichtsverfahren, Notfallkontakte (Prüfung auf Verbindung zum Täter).
Weiterleitungen an andere Dienste
Jede Weiterleitung erfassen: Name der Einrichtung, Datum, Ansprechpartner, Ergebnis, Nachfolgetermin. Nicht dokumentierte Weiterleitungen werden im Zweifelsfall als unterlassene Hilfe gewertet.
Fallabschluss und Nachsorge
30, 60 und 90 Tage nach Auszug Kontaktversuch auf sicherem Weg. Dokumentieren: aktuelle Wohnsituation, Status der Schutzanordnung, wirtschaftliche Situation, Sicherheitsbedenken.
Dokumentation mit KI Automatisieren
KI kann den Dokumentationsaufwand erheblich reduzieren, aber bei Fällen häuslicher Gewalt ist ein zusätzlicher Datenschutz unerlässlich.
GRUNDREGEL: Geben Sie niemals personenbezogene Daten (Name, Adresse, Geburtsdatum, Aktenzeichen) in ein KI-Tool ein. Verwenden Sie anonymisierte Bezeichnungen wie „Klientin A" oder „Fall 2026-03" und entfernen Sie alle identifizierenden Informationen, bevor Sie KI nutzen.
Methode 1: Telefonnotizen → Erstaufnahme
Nach einem Anruf kurze anonyme Notiz: „Frau Mitte 30, 2 Kinder, anhaltende körperliche und wirtschaftliche Gewalt, sucht Notunterkunft, keine Schutzanordnung, Gefährdungsscore ca. 14." Diese Notiz in AiDocx eingeben und bitten: „In Erstaufnahme-Formular für häusliche Gewalt umwandeln."
Methode 2: Krisennotizen → Sicherheitsplan
Anonymisiert die in der Sitzung ermittelten Sicherheitsbedarfe eingeben. KI erstellt den Sicherheitsplan-Rahmen, den Sie im sicheren Fallmanagementsystem mit konkreten persönlichen Daten ergänzen.
Methode 3: Sachverhalt → Antragsschrift-Entwurf
Gewaltmuster ohne Namen beschreiben. KI generiert einen Entwurf der Antragsschrift in juristischer Fachsprache, den die Rechtsberaterin prüft und konkretisiert.
Datensicherheit und Aufbewahrung
Sicherheits-Checkliste
- Akten im abgeschlossenen Schrank oder verschlüsseltem digitalem System
- Zugriff auf das tatsächlich erforderliche Personal beschränkt
- Adresse und Aufenthaltsort der Betroffenen nicht in Systemen, auf die Ehrenamtliche ohne Aufsicht zugreifen können
- KI nur für Formularerstellung nutzen — keine echten Klientinnendaten eingeben
- Prozess bei Datenpannen dokumentiert und regelmäßig geübt
- Jährliche Datenschutzschulung
KI-Nutzungsempfehlungen im HG-Umfeld
| Nutzung | Erlaubt | Nicht erlaubt |
|---|---|---|
| Leere Vorlagen generieren | ✓ | — |
| Anonymisierte Textrahmen erstellen | ✓ | — |
| Name oder Kontaktdaten eingeben | — | Niemals |
| Täterdaten eingeben | — | Niemals |
| Fallakten auf KI-Plattform hochladen | — | Niemals |
Aufbewahrungsfristen (Landesrecht beachten)
| Dokumententyp | Mindestaufbewahrung |
|---|---|
| Erstaufnahmeformular | 10 Jahre |
| Gefährdungsbeurteilung | 10 Jahre |
| Schutzanordnungsunterlagen | Gültigkeitsdauer + 5 Jahre |
| Kriseninterventionsdokumentation | 10 Jahre |
| Geschlossene Fälle (Erwachsene) | 10 Jahre nach Abschluss |
| Akten mit Minderjährigen | Bis Volljährigkeit + 10 Jahre |
Häufige Fragen
F: Kann eine Betroffene Einsicht in ihre Akte verlangen?
Ja, nach DSGVO und BDSG hat die betroffene Person ein Auskunftsrecht. Konsultieren Sie jedoch die Rechtsberaterin Ihrer Einrichtung, bevor Sie Unterlagen herausgeben, wenn dadurch die Sicherheit der Betroffenen oder Dritter gefährdet sein könnte.
F: Was tun, wenn ein Gericht die Aktenvorlage anordnet?
Folgen Sie der Anforderung nicht sofort. Wenden Sie sich an die Rechtsberaterin Ihrer Einrichtung. In Deutschland kann das Zeugnisverweigerungsrecht nach § 53 StPO oder das Sozialgeheimnis nach SGB I § 35 greifen. Dokumentieren Sie Eingang und alle Folgemaßnahmen.
F: Wie dokumentiere ich, wenn die Betroffene zum Täter zurückgeht?
Faktisch protokollieren: Was die Betroffene geäußert hat, welche Informationen und Optionen besprochen wurden, ihre selbstbestimmte Entscheidung. Kein wertendes Vokabular. Statistisch kehren Betroffene durchschnittlich sieben Mal zurück, bevor sie die Beziehung dauerhaft verlassen. Die Tür offen lassen: künftige Kontaktwege in der Akte festhalten.
Fazit
Die Dokumentation in der Arbeit mit häuslicher Gewalt ist eine der anspruchsvollsten im Sozialwesen — und eine der folgenreichsten. Eine fehlende Einschätzung in der Gefährdungsbeurteilung, ein lückenhafter Sicherheitsplan oder eine unzureichend belegte Schutzanordnung können irreversible Folgen haben.
Die Vorlagen in diesem Leitfaden sind praxisorientiert gestaltet: Übernehmen Sie sie in Ihr Fallmanagementsystem, passen Sie die Terminologie an das jeweilige Landesrecht an und schulen Sie Ihr Team in der einheitlichen Anwendung. KI-Tools wie AiDocx reduzieren den Zeitaufwand für die Formularerstellung und ermöglichen mehr Zeit für die direkte Unterstützung, die keine Technologie ersetzen kann.
Nutzen Sie Technologie für mehr Effizienz. Fachliches Urteilsvermögen, Empathie und rechtliches Wissen bleiben unersetzlich.
Starten Sie mit der automatisierten Dokumentation bei AiDocx →
Ressourcen: Hilfetelefon 08000 116 016 | Polizei 110 | Notruf 112 | Frauenhauskoordinierung über Hilfetelefon
Bereit für KI-gestützte Dokumentenautomatisierung?
Starten Sie kostenlos mit AiDocX — KI-Vertragserstellung, Besprechungsprotokolle, Beratungsnotizen, E-Signaturen und mehr.
Kostenlos startenMehr aus dem AiDocX Blog
KI-gestützte Suchtberatungs-Dokumentation: MI-Vorlagen und Rückfallprävention 2026
Leitfaden für Suchtberater: Vorlagen für Motivational Interviewing (MI), Rückfallpräventionsplan und CBT-Sitzungsprotokolle — mit KI-Automatisierung nach BtMG und Datenschutz-Grundverordnung.
KI-Leitfaden für Beratungsnotizen (2026): Kostenlose Vorlagen + Automatische Erstellung in Minuten
Vollständiger Leitfaden zum Schreiben von Beratungsnotizen 2026. Inkl. kopierfertige Vorlagen für Psychologie, Recht, Vertrieb und allgemeine Beratung sowie KI-Methoden zur automatischen Erstellung.
KI-Leitfaden für Schul- und Berufsberatungsnotizen (2026): Kostenlose Vorlagen + Automatisierung
Vollständiger Leitfaden für Schulberater und Berufsberater 2026. Mit kopierfertigen Vorlagen: Einzelberatungsprotokoll, Berufsberatungsakte, Mobbing-Protokoll und Gruppenberatungsprotokoll — plus KI-Automatisierung in drei Methoden.